Richtige Lagerung ätherischer Öle: Licht, Wärme und Luft im Griff
Licht, Wärme und Luftsauerstoff verändern ätherische Öle mit der Zeit. Du erfährst, wie dunkle, kühle und dicht verschlossene Aufbewahrung gelingt, was das Datum auf dem Fläschchen bedeutet und wie du Öle sicher vor Kindern und Haustieren unterbringst.
Was Licht, Wärme und Luft mit einem Öl machen
Ein ätherisches Öl ist ein Gemisch aus vielen einzelnen Duftstoffen, die eine Pflanze in Blüten, Blättern, Früchten oder Holz bildet. Viele dieser Duftbausteine gehören zu den Terpenen. So heißt eine große Gruppe pflanzlicher Stoffe, die etwa im Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) und in der Pfefferminze (Mentha × piperita) vorkommen. Wie Pflanzen diese Stoffe hervorbringen, beschreibt der Beitrag Wie ätherische Öle entstehen: Pflanzen als Duftquelle.
Terpene bleiben nicht für immer unverändert. Kommen Sauerstoff aus der Luft, Licht oder hohe Temperaturen hinzu, wandeln sie sich in neue Verbindungen um, und die Qualität des Öls sinkt meist deutlich. Einer dieser Vorgänge ist die Oxidation, also die Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff. Licht führt bei Terpenen vor allem zu sogenannten Hydroperoxiden; das sind Verbindungen, in die zusätzlicher Sauerstoff eingebaut wurde. Der Luftsauerstoff erzeugt mit der Zeit noch weitere Stoffe.
Im Alltag zählt vor allem die Folge: Ein Öl, das lange offen, hell oder warm gestanden hat, kann anders duften als am ersten Tag. Das betrifft jedes ätherische Öl, auch ein naturreines. „Naturrein“ beschreibt, was in der Flasche ist, nicht, wie lange es so bleibt. Was diese Angabe genau bedeutet, erklärt der Beitrag Naturreine Öle: Was hinter „100 %“ steckt.
Dunkel, kühl und dicht verschlossen
Aus diesen drei Einflüssen ergibt sich die übliche Lagerempfehlung: Ein ätherisches Öl sollte möglichst wenig Licht, wenig Wärme und wenig Luft abbekommen. Die Übersicht zeigt, worauf es dabei ankommt.
| Einfluss | Was im Öl geschieht | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| Licht | Terpene bilden vor allem sauerstoffreiche Verbindungen | Dunkles Glas wählen, Fläschchen im geschlossenen Schrank aufbewahren |
| Wärme | Hohe Temperaturen setzen Umwandlungen in Gang | Abstand zu Heizung, Herd, sonniger Fensterbank und Duftlampe halten |
| Luftsauerstoff | Durch Oxidation entstehen neue Stoffe | Deckel nach jeder Entnahme sofort fest zudrehen |
Dunkles Glas, meist Braunglas, lässt weniger Licht hindurch als klares Glas. Ein Schrank oder eine Schublade hält das Licht zusätzlich fern. Kühl bedeutet im Haushalt vor allem: nicht neben der Heizung, nicht über dem Herd und nicht dort, wo nachmittags die Sonne hinfällt. Auch neben einer brennenden Duftlampe ist kein guter Platz für die Vorratsflasche.
Vor dem Luftsauerstoff schützt ein fester Verschluss. Drehe den Deckel nach jeder Entnahme gleich wieder zu. Ein Tropfeinsatz, also der kleine Aufsatz in der Flaschenöffnung, gibt das Öl tropfenweise ab und hält die Öffnung klein. In einem fast leeren Fläschchen trifft das Öl auf deutlich mehr Luft als in einem vollen.
Fülle in Diffuser oder Duftlampe nur so viel Öl, wie du für eine Anwendung brauchst, und lass Reste nicht tagelang offen im Gerät stehen. Welches Gerät zu welchem Raum passt, zeigt der Beitrag Diffuser, Duftlampe oder Stab: Welche Technik zu welchem Raum passt.
Warum Zitrusöle empfindlicher sein können
Bei Zitrusölen wie Süßorange (Citrus sinensis) und Zitrone (Citrus × limon) lohnt sich besondere Sorgfalt. Der Grund heißt Limonen. So nennt man ein Terpen, das in Zitrusölen eine große Rolle spielt.
Limonen verändert sich beim Umgang mit dem Öl und während der Lagerung: Durch Oxidation entstehen aus ihm neue Stoffe. Limonen mit diesen Oxidationsprodukten ist in Europa als Gefahrstoff eingestuft, also als Stoff, für den besondere Kennzeichnungsregeln gelten. Das ist einer der Gründe für die Gefahrenhinweise, die auf dem Etikett vieler Zitrusöle stehen. Ein sorgfältig gelagertes Zitrusöl ist deshalb nicht nur eine Frage des Dufts.
Für den Alltag heißt das: Öffne eine neue Flasche Orangen- oder Zitronenöl erst, wenn du sie brauchst, und verwende angebrochene Fläschchen zügig. Das gilt auch für Sets und Mischungen, in denen Orange, Blutorange oder Zitrone stecken. Wie sich beide Öle im Duft unterscheiden, liest du im Beitrag Zitrusöle im Vergleich: Süße Orange und Zitrone.
Was das Datum auf der Flasche bedeutet
Viele Fläschchen tragen ein aufgedrucktes Datum. Für bestimmte Warengruppen regeln Vorschriften genau, wie die Haltbarkeit anzugeben ist. Dort gilt: Das Mindesthaltbarkeitsdatum, erkennbar an der Formulierung „mindestens haltbar bis“, bezieht sich auf die ungeöffnete Packung. Vorgeschrieben ist es, wenn ein Produkt weniger als 30 Monate haltbar ist.
Hält ein Produkt länger, ist seit dem 11. März 2005 eine andere Angabe Pflicht: die Verwendungsdauer nach dem Öffnen. Sie erscheint als kleines Symbol, das einen geöffneten Tiegel zeigt, zusammen mit einer Monatszahl, etwa „12M“ für zwölf Monate.
Nach welcher Regel das Datum auf einem ätherischen Öl vergeben wurde, lässt sich von außen nicht immer erkennen. Lies es deshalb vor allem so: Es beschreibt die verschlossene Flasche. Mit dem ersten Öffnen kommt Luftsauerstoff hinzu, und ab dann bestimmt vor allem deine Lagerung, wie lange das Öl seinen Duft behält. Wie du die übrigen Angaben deutest, erklärt der Beitrag Etiketten richtig lesen: botanischer Name, Herkunft und Gefahrenhinweise.
Außer Reichweite von Kindern und Haustieren
Zur Lagerung gehört auch der richtige Ort. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, ätherische Öle für Kinder unzugänglich aufzubewahren. Vergiftungen bei Kleinkindern entstehen häufig, weil Duftöle versehentlich geschluckt werden, unter anderem, weil Erwachsene sie mit anderen Präparaten in Tropfenform verwechseln. Bewahre Duftöle deshalb getrennt von anderen Tropffläschchen auf, idealerweise hoch oben in einem abschließbaren Schrank.
Lass ein geöffnetes Fläschchen nie unbeaufsichtigt auf dem Tisch stehen, auch nicht für einen Moment. Hat ein Kind Öl geschluckt, ruf sofort eine Giftinformationszentrale an und halte die Flasche mit dem Etikett bereit. Ist das Kind auffällig matt, erbricht es oder schwankt es beim Gehen, wähle den Notruf 112. Mehr dazu liest du im Beitrag Kinder und Duftöle: Sicher im Haushalt.
Katzen lecken beim Putzen Öl aus ihrem Fell. Bewahre ätherische Öle deshalb auch außerhalb der Reichweite von Katzen auf, also nicht auf Regalen oder Fensterbänken, die das Tier erreicht. Zitrusöle zählen zu den Ölen, bei denen Katzenhalter besonders aufpassen sollten. Halte laufende Diffuser von Katzen fern und lüfte nach dem Beduften gut. Hat dein Tier vermutlich Öl abgeleckt oder abbekommen, ruf sofort die Tierarztpraxis an, auch wenn es noch unauffällig ist. Warnzeichen können etwa Speicheln, Erbrechen, ein schwankender Gang oder Mattigkeit sein. Halte den Namen des Öls vom Etikett bereit und sag, ob es pur oder verdünnt war. Weitere Hinweise gibt der Beitrag Haustiere und ätherische Öle: Was du wissen solltest.
Praxistipp: eine Ölkiste mit Anbruchdatum
Sammle alle Fläschchen in einer verschließbaren Box. Stelle die Box in einen Schrank fern von Heizung und Fenster, für Kinder und Tiere unerreichbar. Schreibe beim ersten Öffnen das Datum auf jedes Fläschchen und stelle angebrochene Zitrusöle nach vorn, damit du diese zuerst verwendest. Klebe die Telefonnummern deiner Tierarztpraxis und einer Giftinformationszentrale innen in den Deckel. Riecht ein Öl auf einem Teststreifen aus Papier deutlich anders als gewohnt, verwende es nicht mehr.