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Etiketten richtig lesen: botanischer Name, Herkunft und Gefahrenhinweise

Ein Ölfläschchen-Etikett verrät mehr als den Duftnamen. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie du botanischen Namen, Pflanzenteil, Herkunft, Charge und Mindesthaltbarkeit liest und Gefahrenpiktogramme sowie H- und P-Sätze nach CLP einordnest.

Der botanische Name: Gattung und Art

Auf der Vorderseite eines Ölfläschchens steht meist ein vertrauter Name wie „Lavendel“ oder „Orange“. Entscheidend ist aber eine oft kleiner gedruckte Angabe: der botanische Name. Er folgt der binären Nomenklatur, also einem zweiteiligen Namenssystem, das jede Pflanzenart weltweit eindeutig bezeichnet, unabhängig davon, wie sie im Handel gerade heißt.

Ein Beispiel ist der Echte Lavendel mit dem Namen Lavandula angustifolia Mill. Der erste Teil, Lavandula, ist die Gattung, in der Fachsprache Genus genannt. Er wird immer großgeschrieben und fasst eng verwandte Pflanzen zusammen. Der zweite Teil, angustifolia, ist das Artepitheton, also die kleingeschriebene Artbezeichnung, die innerhalb der Gattung genau eine Art festlegt. Mill. am Ende ist ein Autorenkürzel: Es nennt den Botaniker, der den Namen gültig beschrieben hat, in diesem Fall Philip Miller. Lavendel gehört zur Pflanzenfamilie der Lamiaceae, auf Deutsch Lippenblütler.

Wie hilfreich die Zweiteilung ist, zeigen Zitrusöle: Süße Orange und Zitrone teilen sich die Gattung Citrus, gehören aber zu verschiedenen Arten, nämlich Citrus sinensis und Citrus limon. Angaben wie „100 %“ verraten dagegen nicht, welche Pflanze im Fläschchen steckt. Was hinter solchen Formulierungen steht, erklärt der Beitrag Naturreine Öle: Was hinter „100 %“ steckt.

Pflanzenteil, Gewinnungsart und Herkunft

Häufig folgt auf den Namen der Pflanzenteil, also das Ausgangsmaterial, aus dem das Öl gewonnen wurde: zum Beispiel Blüte, Blatt, Rinde, Harz, Wurzel, Samen oder Fruchtschale. Beim Lavendel ist es die Blüte, bei Orange und Zitrone die Schale der Frucht. Die Angabe zeigt dir, was genau verarbeitet wurde.

Eng damit verbunden ist die Gewinnungsart. Die meisten ätherischen Öle entstehen durch Wasserdampfdestillation: Dabei löst Wasserdampf die flüchtigen Duftstoffe, also Stoffe, die leicht verdunsten, aus dem Pflanzenmaterial. Zitrusöle wie Orange und Zitrone werden dagegen durch Auspressen der Schalen gewonnen. Worin sich beide Verfahren unterscheiden, beschreibt der Beitrag Gewinnung ätherischer Öle: Destillation und Kaltpressung im Vergleich.

Die Herkunftsangabe nennt das Land oder die Region, in der die Pflanzen gewachsen sind. Im Sortiment von aromen123 steht sie oft schon im Produktnamen, etwa beim Lavendelöl aus Frankreich und dem aus Bulgarien, beim Zitronenöl aus Italien oder beim Rosmarinöl aus Tunesien. Dieselbe Pflanzenart kann je nach Anbaugebiet unterschiedlich duften. Warum das so ist, liest du im Beitrag Herkunft zählt: Warum gleiche Pflanzen verschieden duften. Lies botanischen Namen und Herkunft deshalb immer zusammen.

Füllmenge, Chargennummer und Mindesthaltbarkeit

Die Füllmenge gibt an, wie viel Öl im Fläschchen ist; bei den Einzelölen im Sortiment sind es meist 10 ml.

Die Chargennummer ist eine Folge aus Buchstaben oder Ziffern. Eine Charge ist eine Menge Öl aus derselben Herstellung, die gemeinsam abgefüllt wurde. Hast du eine Rückfrage zu einem bestimmten Fläschchen, lässt es sich über diese Nummer eindeutig zuordnen.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum nennt den Zeitpunkt, bis zu dem bei sachgerechter Lagerung mit der ausgewiesenen Qualität zu rechnen ist. Wie gut ein Öl tatsächlich bleibt, hängt stark von der Aufbewahrung ab. Ätherische Öle verändern sich mit der Zeit, unter anderem durch Oxidation, also die Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft. Sauerstoff, Licht und hohe Temperaturen mindern die Qualität. Stelle Fläschchen daher fest verschlossen, dunkel und kühl auf. Ausführliche Hinweise gibt der Beitrag Richtige Lagerung ätherischer Öle: Licht, Wärme und Luft im Griff.

AngabeBeispielWas sie dir sagt
Botanischer NameLavandula angustifolia Mill.welche Pflanzenart verwendet wurde
PflanzenteilBlüte, Fruchtschalewelcher Teil der Pflanze verarbeitet wurde
GewinnungsartWasserdampfdestillation, Auspressenwie das Öl gewonnen wurde
HerkunftFrankreich, Italienwo die Pflanzen gewachsen sind
Füllmenge10 mlwie viel Öl im Fläschchen ist
ChargennummerFolge aus Buchstaben oder Ziffernaus welcher Herstellung das Fläschchen stammt
MindesthaltbarkeitDatumbis wann bei guter Lagerung mit der Qualität zu rechnen ist

Gefahrenpiktogramme, H- und P-Sätze nach CLP

Einen eigenen Teil des Etiketts bildet die Gefahrenkennzeichnung. Ihre Grundlage ist die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008; CLP steht für die englischen Wörter Classification, Labelling and Packaging. Die Verordnung regelt in der Europäischen Union, wie Stoffe und Gemische eingestuft, gekennzeichnet und verpackt werden. Sie setzt das GHS um, das global harmonisierte System der Vereinten Nationen für eine einheitliche Gefahrenkennzeichnung.

Chemisch betrachtet ist ein ätherisches Öl ein Stoffgemisch: Es besteht überwiegend aus Terpenoiden und Phenylpropanoiden, zwei großen Gruppen von Duftstoffen, die Pflanzen selbst bilden. Die Kennzeichnung nach CLP setzt sich aus vier Bausteinen zusammen:

  • Gefahrenpiktogramme: Bildzeichen in einer rot umrandeten Raute, die eine Gefahr auf einen Blick erkennbar machen.
  • H-Sätze: Gefahrenhinweise, die beschreiben, welche Gefahr besteht. Das H steht für das englische „hazard“, also Gefahr.
  • P-Sätze: Sicherheitshinweise, die sagen, wie du vorbeugst und was nach einem Missgeschick zu tun ist. Das P steht für „precautionary“, also vorsorglich.
  • EUH-Sätze: Zusatzsätze, die es nur in der EU gibt und die das weltweite System ergänzen.

Drei Beispiele zur Lesehilfe

H304 warnt davor, dass Verschlucken lebensgefährlich sein kann. H315 bedeutet, dass ein Stoff bei Kontakt Reizungen verursacht. H317 weist darauf hin, dass er bei Kontakt allergische Reaktionen auslösen kann. Welche Sätze auf einem bestimmten Fläschchen stehen, hängt von der Zusammensetzung des jeweiligen Öls ab. Neben dem Etikett ist das Sicherheitsdatenblatt der zweite Weg, auf dem Gefahren mitgeteilt werden; es erläutert die Angaben ausführlicher.

Ein Hinweis, kein Verbot

Ein Gefahrenpiktogramm bedeutet nicht, dass du ein Öl nicht verwenden dürftest. Die Kennzeichnung beschreibt, was bei unsachgemäßem Umgang passieren kann, etwa beim Verschlucken, und welche Vorsicht sinnvoll ist. Für Diffuser und Duftlampe heißt das vor allem: sparsam dosieren, das Fläschchen nach Gebrauch sofort schließen und an einen sicheren Platz zurückstellen.

Sicherheitshinweise im Haushalt umsetzen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, ätherische Öle immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren. Als häufigen Grund für Unfälle nennt es, dass Duftöle versehentlich verschluckt werden, teils weil Erwachsene das Fläschchen mit ähnlich aussehenden Tropfenpräparaten verwechseln. Bewahre Duftöle deshalb getrennt von solchen Tropfen auf, am besten hoch und verschlossen. Bei Kindern unter drei Jahren rät das BfR zu besonderer Vorsicht: Kampfer-, Eukalyptus-, Thymian- und Pfefferminzöl (Menthol) gelten hier als besonders problematisch.

Hat ein Kind dennoch etwas verschluckt, ruf eine Giftinformationszentrale an und halte das Fläschchen mit dem Etikett bereit. Ist das Kind auffällig matt, erbricht es, hustet es anhaltend oder schwankt es beim Gehen, wähle sofort den Notruf 112. Weitere Hinweise für den Familienalltag findest du im Beitrag Kinder und Duftöle: Sicher im Haushalt, zu Hund und Katze im Beitrag Haustiere und ätherische Öle: Was du wissen solltest.

Praxistipp: Das Etikett beim Öl lassen

Lies das Etikett eines neu gekauften Öls einmal vollständig, bevor du das Fläschchen zum ersten Mal öffnest, und fülle Öle nie in unbeschriftete Gefäße um. Solange das Öl in seinem Originalfläschchen bleibt, hast du botanischen Namen, Herkunft, Chargennummer, Mindesthaltbarkeit und Gefahrenhinweise jederzeit zur Hand, im Alltag ebenso wie im Notfall.

Gut zu wissen: Ätherische Öle sind keine Arzneimittel und nicht zum Verzehr bestimmt. Bei Fragen zur Sicherheit wende dich an Fachleute, an deine Ärztin oder deinen Arzt oder an eine Giftinformationszentrale.