Kinder und Duftöle: Sicher im Haushalt
Ätherische Öle riechen nach Obst oder Blüten und wecken bei Kindern Neugier. Dieser Bericht zeigt, wie du Duftöle sicher aufbewahrst, Verwechslungen vermeidest und im Ernstfall richtig reagierst.
Ätherische Öle stehen in vielen Wohnungen griffbereit: das Orangenöl neben dem Diffuser, das Lavendelöl im Regal, eine Flasche Pfefferminzöl in der Küchenschublade. Für Erwachsene sind das unauffällige Alltagsgegenstände. Für Kinder sind es kleine Fläschchen, die nach Obst, Blüten oder Bonbons riechen und sich mit etwas Geschick aufdrehen lassen. Damit aus Neugier kein Unfall wird, braucht es wenige, aber konsequente Regeln. Die folgenden Abschnitte zeigen, wo Duftöle in einem Haushalt mit Kindern sicher stehen, wie Verwechslungen entstehen und was im Ernstfall zu tun ist.
Warum schon kleine Mengen ernst zu nehmen sind
Ätherische Öle sind stark konzentrierte Duftstoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden. Was als feiner Duft im Raum angenehm ist, ist als Flüssigkeit im Mund eines Kindes etwas völlig anderes. Fachstellen für Giftunfälle weisen darauf hin, dass bei Säuglingen und Kleinkindern schon wenige Tropfen, die in Mund oder Nase geraten, lebensbedrohlich sein können. Für Kinder allgemein nennen Fachleute bei manchen Ölen bereits eine Menge von etwa 5 ml als lebensbedrohlich. Das ist gerade einmal die Hälfte eines üblichen Fläschchens mit 10 ml.
Häufig steckt hinter solchen Unfällen ein Versehen: Ein Kind findet eine Flasche, öffnet sie in einem unbeobachteten Moment und probiert. Die Auswertung eines australischen Giftnotrufs ergab, dass die Mehrheit der Anfragen zu ätherischen Ölen Kinder und Jugendliche betraf. Entscheidend ist deshalb nicht die Frage, ob ein Kind an die Öle herankommen will, sondern ob es herankommen kann.
Besonders vorsichtig solltest du mit Pfefferminz-, Eukalyptus-, Thymian- und Kampferöl umgehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt diese Öle ausdrücklich, wenn es um Kinder unter drei Jahren geht. Verwahre Pfefferminzöl und Öle aus der Gruppe Minze und Eukalyptus deshalb mit derselben Sorgfalt wie Putzmittel.
Aufbewahren: verschlossen, hoch und in der Originalflasche
Die wichtigste Regel ist zugleich die einfachste: Ätherische Öle gehören verschlossen und außer Sicht- und Reichweite von Kindern. Ein Regalbrett auf Augenhöhe eines Erwachsenen reicht dafür nicht aus, sobald dein Kind auf Stühle oder Hocker klettert. Geeignet ist ein hoher Hängeschrank oder eine Kiste mit Deckel, die in einem abschließbaren Schrank steht.
Dreh jede Flasche nach dem Gebrauch sofort wieder fest zu, auch wenn du den Raum nur kurz verlässt. Geöffnete Flaschen haben auf Tisch, Fensterbank oder Nachttisch nichts verloren. Ein Verschluss, den Kinder nur schwer öffnen können, ist ein zusätzlicher Schutz, ersetzt aber nie den sicheren Aufbewahrungsort.
Bewahre Öle außerdem immer in der Originalflasche auf. Auf deren Etikett stehen der botanische Name, also der wissenschaftliche Pflanzenname, der eine Art eindeutig bezeichnet, und die Gefahrenhinweise, also kurze Warntexte und Symbole. Im Ernstfall brauchst du genau diese Angaben. Was sie im Einzelnen bedeuten, erklärt unser Beitrag Etiketten richtig lesen: botanischer Name, Herkunft und Gefahrenhinweise. Ein geschlossener, dunkler Schrank schützt die Öle zugleich vor Licht und Wärme; mehr dazu liest du im Beitrag zur richtigen Lagerung ätherischer Öle. Leben auch Hund oder Katze im Haushalt, gelten ähnliche Regeln, die der Beitrag Haustiere und ätherische Öle: Was du wissen solltest zusammenfasst.
Verwechslungen vermeiden
Ein zweiter typischer Weg zum Unfall ist die Verwechslung. Fachstellen raten, Duftöle getrennt von Tropfen und Säften aus der Hausapotheke aufzubewahren, weil die Fläschchen leicht verwechselt werden. Kleine Glasflaschen mit Tropfeinsatz sehen sich tatsächlich zum Verwechseln ähnlich, vor allem abends, in Eile oder bei schlechtem Licht.
Genauso wichtig: Füll Öle nie in Trinkflaschen, Saftgläser, leere Gewürzfläschchen oder andere Lebensmittelbehälter um, auch nicht für kurze Zeit. Gerade Zitrusöle wie süßes Orangenöl oder Zitronenöl riechen nach Obst und Limonade, und für ein Kind klingt das nach etwas Essbarem. Wie unterschiedlich die beiden duften, zeigt unser Vergleich von süßer Orange und Zitrone. Die Übersicht zeigt typische Orte und bessere Alternativen.
| Ort im Haushalt | Was dort passieren kann | Bessere Lösung |
|---|---|---|
| Küchenschrank neben Backaromen | Verwechslung mit Aromen für Kuchen oder Desserts | Eigene Kiste mit Deckel, fern von Lebensmitteln |
| Hausapotheke | Verwechslung mit Tropfen oder Säften | Getrennter Schrank oder deutlich beschriftete Kiste |
| Nachttisch, Fensterbank, Couchtisch | Kind greift beim Spielen zur Flasche | Hoher, geschlossener Schrank |
| Hand- oder Jackentasche von Gästen | Kind findet die Flasche beim Herumkramen | Taschen hoch ablegen oder an die Garderobe hängen |
Diffuser, Duftlampe und Kerzen außer Reichweite
Ein Ultraschall-Diffuser, also ein Gerät, das Wasser mit Duftöl zu feinem Nebel zerstäubt, enthält eine Wasserfüllung mit Öl. Kippt er um oder greift ein Kind in den Behälter, gelangt diese Mischung schnell in Kinderhände. Stell den Diffuser deshalb auf eine hohe, stabile Fläche und führe das Kabel so, dass niemand daran ziehen kann.
Leere den Wassertank nach dem Betrieb, statt Reste stehen zu lassen. Wie du das Gerät danach gründlich säuberst, liest du im Beitrag über den sauberen Aroma-Diffuser. Bei Duftstäbchen in offenen Gefäßen ist es ähnlich: Die Stäbchen lassen sich leicht herausziehen und in den Mund nehmen, das Gefäß kann umkippen. Welche Technik für welchen Raum infrage kommt, vergleicht unser Beitrag Diffuser, Duftlampe oder Stab.
Bei der Duftlampe kommt eine offene Flamme hinzu: Das Teelicht darunter ist für Kinder doppelt reizvoll. Lass Duftlampen und Duftkerzen nie unbeaufsichtigt brennen und stell sie so auf, dass weder Kinder noch Vorhänge in ihre Nähe kommen. Worauf du bei Abstand und Brenndauer achten solltest, fasst der Beitrag Duftkerzen sicher genießen: Abstand, Flammpunkt und Brenndauer zusammen.
Im Ernstfall: sofort anrufen, nicht abwarten
Hat dein Kind Öl in den Mund bekommen oder getrunken, oder hast du nur den Verdacht, etwa weil eine offene Flasche neben ihm liegt, ruf sofort ein Giftinformationszentrum an. Das sind telefonische Beratungsstellen, die bei Verdacht auf einen Giftunfall Auskunft geben und sagen, was jetzt zu tun ist. Warte nicht ab, ob sich etwas verändert.
Wähle direkt den Notruf 112, wenn dein Kind nach Luft ringt, krampft, ungewöhnlich matt ist oder nicht mehr richtig auf dich reagiert. Auch Würgen, Speicheln, Erbrechen oder ein schwankender Gang sind Anlass, ohne Zögern anzurufen. Nach dem Notruf kann zusätzlich das Giftinformationszentrum beraten. Für das Telefonat sind diese Angaben nützlich:
- Um welches Öl handelt es sich? Nimm die Originalflasche mit dem Etikett zur Hand.
- Wie viel fehlt ungefähr in der Flasche?
- Wann ist es passiert, und wie alt ist dein Kind?
- Was beobachtest du gerade an deinem Kind?
Folge dann den Anweisungen, die du am Telefon erhältst.
Praxistipp: Speichere die Nummer des für deine Region zuständigen Giftinformationszentrums noch heute im Handy und häng sie zusätzlich gut sichtbar in der Küche auf. Geh anschließend einmal in Kinderhöhe durch die Wohnung: Jede Flasche, jeder Diffuser und jedes Duftgefäß, das du dabei aus der Hocke erreichst, braucht einen neuen Platz.