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Zitrusöle im Vergleich: Süße Orange und Zitrone

Süßes Orangenöl und Zitronenöl stammen aus der Fruchtschale, riechen aber deutlich verschieden. Der Vergleich zeigt botanische Namen, Herkunftsangaben, Gewinnung und Duftcharakter beider Öle.

Zwei Früchte, zwei botanische Namen

Orange und Zitrone liegen im Obstregal nebeneinander, und auch als ätherische Öle werden sie oft zusammen genannt. Beim genaueren Hinsehen zeigen sich jedoch klare Unterschiede. Der erste steht bereits auf dem Etikett: der botanische Name. Das ist die wissenschaftliche, international einheitliche Bezeichnung einer Pflanze in lateinischer Form. Sie ordnet ein Öl eindeutig zu, denn deutsche Namen sind nicht immer eindeutig.

Süßes Orangenöl stammt von der Orange mit dem botanischen Namen Citrus sinensis, Zitronenöl von der Zitrone, Citrus limon. Beide gehören zur Gattung Citrus. Eine Gattung ist eine Gruppe eng verwandter Pflanzenarten. Orange und Zitrone sind also nahe Verwandte, aber verschiedene Arten.

Der Zusatz „süß“ beim Orangenöl hat einen praktischen Grund. Es gibt auch die Bitterorange mit dem botanischen Namen Citrus aurantium, aus deren Schale ebenfalls ein Öl gewonnen wird. Wenn du gezielt den Duft der süßen Orange suchst, achte deshalb auf beide Angaben: das Wort „süß“ und den Namen Citrus sinensis. Wie du solche Angaben sicher deutest, erklärt der Beitrag Etiketten richtig lesen: botanischer Name, Herkunft und Gefahrenhinweise.

Auch die Herkunft ist Teil der Produktbezeichnung. Süßes Orangenöl führt das Sortiment mit Herkunftsangaben wie amerikanisch, brasilianisch oder italienisch, Zitronenöl mit den Angaben italienisch sowie Messina auf Sizilien. Beispiele sind das süße Orangenöl aus Italien und das Zitronenöl aus Italien. Nähere Angaben zu jedem einzelnen Öl findest du in der jeweiligen Produktbeschreibung.

Das Öl sitzt in der Schale

Wer eine Orange schält, kennt den feinen Sprühnebel, der dabei aus der Schale spritzt, und den Duft, der sich sofort in der Küche verteilt. Genau dort, in der Schale, steckt das ätherische Öl. Gemeint ist die äußere, farbige Schicht, die Fachleute Flavedo nennen.

Für Zitrusöle wird häufig die Kaltpressung genutzt. Bei diesem Verfahren wird das Öl ohne Erhitzen gewonnen: Die äußere Schalenschicht wird gerieben und gepresst, sodass ein Gemisch aus Wasser und Öl entsteht. Dieses Gemisch kommt anschließend in eine Zentrifuge. Das ist eine sehr schnell drehende Trommel, die Flüssigkeiten nach ihrer Dichte trennt, vereinfacht gesagt nach ihrem Gewicht. Das Verfahren wird auch in der gewerblichen Herstellung eingesetzt.

Daneben gibt es die Destillation. Dabei werden Pflanzenteile mit Wasser oder Wasserdampf erhitzt, das Öl steigt mit dem Dampf auf und wird nach dem Abkühlen aufgefangen. Für Zitrusschalen kommen grundsätzlich beide Wege in Frage. Worin sich die Verfahren unterscheiden, zeigt der Beitrag Gewinnung ätherischer Öle: Destillation und Kaltpressung im Vergleich. Achte in der Produktbeschreibung eines Öls auf die Angabe zum Gewinnungsverfahren.

Ein Stoff verbindet beide Öle: Limonen. Das ist ein natürlicher Duftbestandteil, der in vielen Zitrusschalen vorkommt. In Zitronenöl ist Limonen mengenmäßig der größte Bestandteil. Auch in den Schalenölen anderer Zitrusfrüchte wie der Orange ist er enthalten, wobei die Menge deutlich schwanken kann. Dass Orange und Zitrone trotz dieser Gemeinsamkeit so verschieden riechen, liegt am Zusammenspiel der übrigen Bestandteile.

Duftcharakter: süß und rund oder hell und herb

Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied, wenn du beide Öle nacheinander auf Papierstreifen vergleichst. Süßes Orangenöl erinnert an eine reife, frisch geschälte Orange: fruchtig, süß und rund, ohne scharfe Kanten. Zitronenöl riecht heller und spritziger. Es hat eine säuerlich-frische Note und einen leicht herben Unterton, der an frisch abgeriebene Zitronenschale denken lässt. Wie stark diese Eindrücke ausfallen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Merkmale zusammen.

MerkmalSüßes OrangenölZitronenöl
Botanischer NameCitrus sinensisCitrus limon
Nicht verwechseln mitBitterorange (Citrus aurantium)Limette (Citrus aurantiifolia)
Pflanzenteiläußere Schicht der Fruchtschaleäußere Schicht der Fruchtschale
Herkunftsangaben im Sortimentamerikanisch, brasilianisch, italienischitalienisch, Messina (Sizilien)
Duftcharakterfruchtig, süß, rundfrisch, hell, säuerlich-herb
Ideen für den RaumWohnzimmer, Essbereich, dunklere MonateKüche, Flur, Arbeitsplatz, helle Monate

Zitronige Frische gibt es übrigens auch bei Ölen, die nicht aus Zitrusfrüchten stammen, etwa bei Litsea. Mehr dazu im Beitrag Minzige Frische: Pfefferminze, Krauseminze und Litsea.

Flüchtig und empfindlich: Zitrusöle im Raum

Ätherische Öle gelten als flüchtig. Das bedeutet, dass sie schon bei Zimmertemperatur verdunsten und sich ihr Duft dadurch in der Luft verteilt. Diese Eigenschaft macht sie für Diffuser und Duftlampe interessant. Ein Ultraschall-Diffuser verteilt einen feinen Nebel aus Wasser und wenigen Tropfen Öl im Raum. Eine Duftlampe erwärmt eine Schale mit Wasser und Öl sanft über einem Teelicht.

Wie lange der Eindruck im Raum anhält, hängt von Raumgröße, Lüftung, Gerät und Menge ab. Beobachte deshalb beim ersten Einsatz, wie sich der Duft nach einiger Zeit verändert, statt sofort nachzudosieren. Süßes Orangenöl passt mit seiner runden Note gut in Wohnräume und an gemütliche Abende. Zitronenöl eignet sich eher für Küche, Flur oder Schreibtisch, wo ein heller, klarer Duft gefragt ist. Orange wird zudem oft mit der Adventszeit verbunden, Zitrone eher mit dem Sommer. Wie du Düfte über das Jahr hinweg abwechseln kannst, zeigt der Beitrag Ein Jahr im Duft: Welche Töne zu welcher Jahreszeit passen.

Licht, Wärme und Luft

Ätherische Öle reagieren empfindlich auf Luft, Licht und hohe Temperaturen. Unter diesen Einflüssen können sie oxidieren. Oxidation bedeutet, dass Bestandteile des Öls mit dem Sauerstoff aus der Luft reagieren und sich dabei verändern. Das gilt für Zitrusöle ebenso wie für die meisten anderen ätherischen Öle. Verschließe das Fläschchen deshalb nach jeder Benutzung gleich wieder und bewahre es dunkel auf, nicht auf der sonnigen Fensterbank und nicht neben der Heizung. Weitere Hinweise gibt der Beitrag Richtige Lagerung ätherischer Öle: Licht, Wärme und Luft im Griff.

Ätherische Öle gehören nicht in Kinderhände. Stelle Fläschchen und laufenden Diffuser deshalb außer Reichweite von Kindern und Haustieren auf und lass eine Duftlampe mit brennendem Teelicht nie unbeaufsichtigt. Besteht der Verdacht, dass ein Kind Öl verschluckt hat, wende dich an eine Giftinformationszentrale oder an den Notruf. Bei Haustieren ist die Tierarztpraxis die richtige Anlaufstelle.

Praxistipp: Orange und Zitrone direkt vergleichen

Am einfachsten lernst du beide Öle im direkten Vergleich kennen. Dafür brauchst du zwei Teststreifen, also schmale Streifen aus saugfähigem Papier, und einen Stift.

  1. Beschrifte die Streifen mit „Orange“ und „Zitrone“ und gib jeweils einen Tropfen Öl auf das untere Ende.
  2. Rieche mit etwas Abstand zuerst an dem einen, dann an dem anderen Streifen und notiere deine ersten Eindrücke.
  3. Wiederhole den Vergleich nach 15 Minuten, nach 1 Stunde und nach 3 Stunden.
  4. Halte fest, welcher Duft sich stärker verändert und welcher dir zu welchem Zeitpunkt besser gefällt.

Mit diesen Notizen wählst du leichter das passende Öl für Wohnzimmer, Küche oder Arbeitsplatz. Lege die Streifen danach außer Reichweite von Kindern und Haustieren ab. Weitere Anregungen rund um Orange, Zitrone und andere Zitrusnoten im Alltag findest du im Beitrag Zitrusöle für mehr Frische zu Hause.

Gut zu wissen: Ätherische Öle sind keine Arzneimittel und nicht zum Verzehr bestimmt. Bei Fragen zur Sicherheit wende dich an Fachleute, an deine Ärztin oder deinen Arzt oder an eine Giftinformationszentrale.