Duftmischungen testen: Der Teststreifen-Weg
Bevor deine eigene Mischung in den Diffuser kommt, lohnt der Test auf Papier: So prüfst du mit Riechstreifen, notierter Tropfenzahl und Pausen Schritt für Schritt, wie sich ein Duft entwickelt.
Warum der Test auf Papier beginnt
Eine eigene Duftmischung gelingt selten im ersten Versuch. Wer drei Öle direkt in den Diffuser gibt, merkt erst im Raum, ob das Verhältnis stimmt, und kann kaum nachvollziehen, welches Öl zu kräftig war. Der Weg über Riechstreifen ist übersichtlicher. Ein Riechstreifen ist ein schmaler Streifen aus saugfähigem, unbedrucktem Papier, auf den du einen Tropfen Öl gibst, um daran zu riechen. Das Öl bleibt dabei ausschließlich auf dem Papier.
Auf dem Streifen lässt sich verfolgen, wie sich ein Duft verändert. Ätherische Öle verdunsten nach und nach, ohne einen Rückstand zu hinterlassen. Weil nicht alle Bestandteile einer Mischung gleich schnell verfliegen, riecht derselbe Streifen nach einer Weile anders als im ersten Moment.
Wähle einen ruhigen Platz ohne andere Duftquellen, also ohne brennende Kerze, Kaffee oder Essen in der Nähe. Bereitlegen solltest du Riechstreifen oder Streifen aus festem, unbedrucktem Papier, einen Bleistift zum Beschriften, ein Notizheft für deine Ergebnisse, eine Uhr für die Zeitpunkte der Riechproben und kleine leere Glasfläschchen mit dicht schließendem Deckel.
Sicher testen
Fläschchen und benutzte Streifen gehören außer Reichweite von Kindern und Haustieren, die Öle werden verschlossen aufbewahrt. Lies vor dem ersten Öffnen die Gefahrenhinweise auf dem Etikett. Was sie bedeuten, erklärt der Beitrag Etiketten richtig lesen. Hat ein Kind Öl verschluckt, verständige sofort die Giftinformationszentrale oder wähle den Notruf 112. Hat ein Haustier an Fläschchen oder Streifen geleckt, ruf die Tierarztpraxis an.
Schritt für Schritt: Tropfen setzen und notieren
Der wichtigste Grundsatz lautet: Jeder Tropfen wird aufgeschrieben. Nur so lässt sich eine gelungene Mischung später wiederholen.
- Streifen beschriften: Notiere mit Bleistift am oberen Ende, welches Öl oder welche Probe darauf kommt. An diesem trockenen Ende hältst du den Streifen.
- Einzelne Öle kennenlernen: Gib je 1 Tropfen eines Öls auf einen eigenen Streifen, etwa Orange, Lavendel und Zedernholz. So weißt du, wie jedes Öl für sich riecht.
- Kombination vorab prüfen: Halte zwei oder drei dieser Streifen wie einen Fächer zusammen und riech daran. So zeigt sich, ob die Öle zueinander passen, bevor du etwas mischst.
- Verhältnis festlegen: Mische in einem leeren Glasfläschchen eine kleine Menge, zum Beispiel 3 Tropfen Orange, 2 Tropfen Lavendel und 1 Tropfen Zedernholz. Ein Öl, das schon allein sehr kräftig riecht, setzt du zunächst mit 1 Tropfen an.
- Mischung prüfen: Gib 1 Tropfen der Mischung auf einen neuen, beschrifteten Streifen und notiere die Uhrzeit.
Verändere danach immer nur eine Angabe. Erscheint dir der Lavendel zu stark, nimm bei der nächsten Probe 1 Tropfen statt 2 Tropfen und lass alles andere gleich. Wer mehrere Dinge zugleich ändert, weiß am Ende nicht, woran es lag.
Verschließe jedes Fläschchen direkt nach dem Tropfen. Luftsauerstoff, Licht und Wärme verändern ätherische Öle mit der Zeit, auch im Geruch. Dabei kommt es unter anderem zur Oxidation, einer chemischen Veränderung durch den Sauerstoff der Luft. Ein lange offenes oder warm gelagertes Öl kann dein Ergebnis verfälschen. Wie du deine Fläschchen geschützt aufbewahrst, beschreibt der Beitrag Richtige Lagerung ätherischer Öle.
Kopf, Herz, Basis: in dieser Reihenfolge riechen
Eine Mischung riecht nicht die ganze Zeit gleich. Für diesen Verlauf gibt es drei Begriffe. Die Kopfnote ist der erste Eindruck direkt nach dem Auftropfen. Die Herznote tritt in den Vordergrund, wenn dieser erste Eindruck nachlässt. Die Basisnote ist das, was zuletzt auf dem Streifen bleibt. Ausführlich erklärt das der Beitrag Die Duftpyramide einfach erklärt. Riech deshalb mehrmals, und zwar in dieser Reihenfolge:
| Duftschicht | Wann du riechst | Worauf du achtest | Oft zugeordnete Öle |
|---|---|---|---|
| Kopfnote | gleich nach dem Auftropfen | Welches Öl fällt zuerst auf? Ist es zu laut oder zu spitz? | Orange, Zitrone, Pfefferminze |
| Herznote | wenn der erste Eindruck nachlässt | Verbinden sich die Öle zu einem Ganzen, oder riechst du sie noch einzeln? | Lavendel, Ylang-Ylang |
| Basisnote | zuletzt, wenn nur noch ein leiser Rest bleibt | Ist der Ausklang angenehm, oder bleibt etwas Störendes zurück? | Zedernholz, Sandelholz, Patchouli |
Halte die Spitze des Streifens mit etwas Abstand unter die Nase, ohne das Papier zu berühren, und schnuppere kurz. Notiere zu jeder Riechprobe die Uhrzeit. Wie schnell eine Mischung von der Kopf- zur Basisnote wandert, hängt von den Ölen ab. Deine Notizen zeigen es dir genauer als jede allgemeine Regel. Zwischen den Proben stellst du die Streifen mit dem trockenen Ende nach unten in ein leeres Glas.
Pausen einplanen: Der Geruchssinn ermüdet
Nach einigen Riechproben nehmen viele kaum noch Unterschiede wahr. Das liegt nicht an den Ölen: Der Geruchssinn gewöhnt sich an einen Duft, den er längere Zeit wahrnimmt, und meldet ihn dann schwächer. Man spricht von Geruchsermüdung. Ein Urteil nach langem Dauerriechen ist deshalb weniger verlässlich als ein Eindruck mit ausgeruhter Nase.
Prüfe pro Sitzung nur drei oder vier Proben. Zwischen zwei Proben verlässt du für einige Minuten den Raum, öffnest ein Fenster oder gehst kurz an die frische Luft. Danach riechst du erneut am Streifen und vergleichst mit deiner Notiz. Bist du unsicher, riech am nächsten Tag noch einmal.
Viele Menschen verbinden Düfte mit Erinnerungen. Notiere deshalb auch, woran dich eine Mischung erinnert, etwa an einen Garten oder eine Reise. Solche Stichworte erleichtern später das Wiedererkennen. Hintergründe dazu bietet der Beitrag Der Geruchssinn: Warum Düfte Erinnerungen wecken.
Ergebnisse dokumentieren und weiterverwenden
Halte zu jeder Probe fest: Nummer, Datum, Öle mit Tropfenzahl, Uhrzeiten der Riechproben, deinen Eindruck zu Kopf-, Herz- und Basisnote, Erinnerungen und ein knappes Urteil wie „behalten“, „ändern“ oder „verwerfen“. Schreib die Nummer auch auf den Streifen. Notiere außerdem, wann du ein Fläschchen geöffnet hast. So kannst du Veränderungen bei älteren Ölen besser einordnen.
Für den Einstieg genügen wenige Öle. Das Kennenlern-Set mit fünf ätherischen Ölen bietet Material für erste Kombinationen aus zwei oder drei Ölen. Welches Set zu welchem Zuhause passt, vergleicht der Beitrag Die Duft-Sets im Vergleich.
Hat eine Mischung den Teststreifen-Weg bestanden, kannst du sie im Raum ausprobieren. Ätherische Öle sind hydrophob, also wasserabweisend, und verbinden sich nicht von selbst mit Wasser. Wie trotzdem ein Spray entsteht, zeigt die Anleitung DIY-Raumspray in 5 Minuten. Anregungen für den Diffuser im Arbeitszimmer gibt der Beitrag Am Schreibtisch: Frische im Arbeitsalltag. Im Raum kann eine Mischung etwas anders riechen als auf dem Papier. Beginne dort deshalb mit wenigen Tropfen.
Praxistipp: Leg eine feste Vorlage für dein Protokoll an und nutze sie bei jeder Probe. Stehen Datum, Tropfenzahl, Uhrzeiten und Urteil immer an derselben Stelle, erkennst du nach einigen Wochen auf einen Blick, welche Verhältnisse dir zusagen, und kannst jede gelungene Mischung genau nachmischen.