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Blumige Düfte im Vergleich: Lavendel und Ylang-Ylang

Lavendel und Ylang-Ylang im Vergleich: Herkunft, Duftbild und Gewinnung zweier blumiger Öle, vom krautigen Echten Lavendel bis zum süß-schweren Blütenöl von den Komoren.

Lavendel und Ylang-Ylang zählen beide zu den blumigen Düften, und doch unterscheiden sie sich deutlich. Der eine stammt von einer Pflanze trockener Mittelmeerlandschaften, der andere von einem tropischen Baum. Dieser Beitrag vergleicht Herkunft, Duftbild und Gewinnung der beiden Öle und erklärt, worauf es bei Lavendel unterschiedlicher Herkunft ankommt.

Zwei Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen

Mit Lavendel ist in diesem Vergleich der Echte Lavendel gemeint, botanisch Lavandula angustifolia. Der botanische Name ist die wissenschaftliche Bezeichnung einer Pflanzenart. Er gilt international und ordnet eine Pflanze eindeutig zu, auch wenn die deutschen Namen schwanken. Echter Lavendel wächst von Natur aus in Südfrankreich, in den französischen und spanischen Pyrenäen sowie in den italienischen Alpen. Er besiedelt offene, trockene Standorte im Mittelmeerklima.

Ylang-Ylang heißt botanisch Cananga odorata und ist ein schnellwüchsiger, immergrüner Baum der Tropen. Seine natürliche Heimat liegt in Südostasien, etwa auf den Philippinen, in Malaysia und in Indonesien. Als wichtigste Erzeuger des Öls gelten die Komoren, Madagaskar und Mayotte, also Inseln im Indischen Ozean.

Lavendel kennen viele Menschen aus dem eigenen Garten oder von Bildern blühender Felder. Solche Beete und Felder bestehen meist aus Kultursorten, also gezielt gezüchteten und vermehrten Formen einer Pflanze. Wilde Bestände können sich in der Mischung ihrer Duftstoffe davon unterscheiden, wie der Abschnitt zu Frankreich und Bulgarien zeigt. Welche Rolle Düfte in Räumen, Ritualen und im Alltag früherer Zeiten spielten, beschreibt unser Beitrag zur Kulturgeschichte des Dufts von den Tempelräumen bis heute.

Das Duftbild: krautig-blumig oder süß und schwer

Lavendel riecht blumig, mit einem krautigen, leicht herben Unterton. Geprägt wird dieser Eindruck vor allem von Linalylacetat und Linalool. Beides sind Duftstoffe, die im Lavendel als wertgebend gelten, also für den typischen Charakter des Öls entscheidend sind. Ylang-Ylang riecht dagegen deutlich süßer, voller und blumig-schwer. Zu seinen Hauptbestandteilen zählen Linalool und Benzylacetat, ein weiterer Duftstoff des Blütenöls.

Beide Öle teilen also einen wichtigen Bestandteil. Dass sie trotzdem so verschieden riechen, liegt am Zusammenspiel aller übrigen Stoffe und an ihrem Mengenverhältnis. Genaue Mengenangaben aus Laboranalysen helfen beim Vergleich wenig, denn sie stammen aus Untersuchungen mit unterschiedlicher Herkunft und Methode und lassen sich nicht unmittelbar nebeneinanderstellen.

Auch die Frage, wie lange die beiden Düfte im Raum oder auf einem Teststreifen wahrnehmbar bleiben, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Zusammensetzung beider Öle schwankt mit Herkunft und Gewinnung, und damit kann sich auch der Duftverlauf unterscheiden. Wie du das selbst beobachtest, steht im Praxistipp am Ende. Nach demselben Muster haben wir zwei Öle einer ganz anderen Duftfamilie gegenübergestellt: im Vergleich von Süßer Orange und Zitrone.

MerkmalEchter LavendelYlang-Ylang
Botanischer NameLavandula angustifoliaCananga odorata
PflanzePflanze offener, trockener Standorte im Mittelmeerklimaimmergrüner, schnellwüchsiger Baum der Tropen
Natürliches VorkommenSüdfrankreich, Pyrenäen, italienische AlpenSüdostasien, etwa Philippinen, Malaysia, Indonesien
Herkunft im SortimentFrankreich und BulgarienKomoren
Prägende DuftstoffeLinalylacetat, LinaloolLinalool, Benzylacetat
Duftbildblumig mit krautigem Untertonsüß, blumig-schwer
BesonderheitDuftprofil wilder Bestände je nach Region verschiedenHandelsqualitäten Extra, First, Second und Third

Lavendel aus Frankreich und Bulgarien

Echter Lavendel ist nicht überall gleich. Fachleute sprechen von Chemotypen: Das sind Pflanzen derselben Art, die sich in der Mischung ihrer Duftstoffe unterscheiden. Für den Echten Lavendel ist unter anderem ein sogenannter Provence-Chemotyp beschrieben. Im Provence-Chemotyp dominieren Linalylacetat, Linalool und Caryophyllenoxid, ein weiterer Duftstoff. Alle Kultursorten, die in einer Untersuchung zum natürlichen Verbreitungsgebiet geprüft wurden, gehörten zu diesem Typ.

In den untersuchten wilden Beständen nimmt nach Süden hin der Gehalt an 1,8-Cineol, Borneol und Campher zu. Das sind drei weitere Duftstoffe; 1,8-Cineol trägt auch den Namen Eucalyptol, der auf den Eukalyptus verweist. Die Forschenden beschreiben hier nur einen Zusammenhang mit der geografischen Lage und keine belegte Ursache. Warum gleiche Pflanzen an verschiedenen Orten unterschiedlich duften können, erläutert der Beitrag Herkunft zählt: Warum gleiche Pflanzen verschieden duften ausführlicher.

Auch in Bulgarien wird Echter Lavendel verarbeitet. Beschreibungen bulgarischer Lavendelextrakte zeigen, dass auch der Gewinnungsweg den Duft prägt: Das sogenannte Absolue, ein mit Lösungsmitteln gewonnener Extrakt, riecht im Vergleich zum ätherischen Lavendelöl süßer, aber weniger blumig. Für die ätherischen Öle aus Frankreich und Bulgarien liegt uns dagegen kein belastbarer Vergleich vor. Ob dir das feine Lavendelöl aus Frankreich oder die bulgarische Herkunft mehr zusagt, findest du deshalb selbst am Teststreifen heraus.

Von der Blüte zum Öl

Beim Ylang-Ylang stammt das Öl aus den Blüten. Gewonnen wird es vor allem durch Wasser- oder Wasserdampfdestillation, bei der die Duftstoffe mithilfe von heißem Wasser oder Wasserdampf aus dem Pflanzenmaterial gelöst werden. Wie eine Destillation im Einzelnen abläuft und worin sie sich von anderen Verfahren unterscheidet, zeigt der Beitrag zu Destillation und Kaltpressung im Vergleich.

Eine Besonderheit beim Ylang-Ylang ist die Fraktionierung. Darunter versteht man, dass das Öl nach der Dauer der Destillation in mehrere Abschnitte getrennt wird. So entstehen die Handelsqualitäten Extra, First, Second und Third. Wie das Öl am Ende zusammengesetzt ist, hängt außerdem von der Gewinnungsmethode, der Dauer der Gewinnung, dem Blütenstadium und der Herkunft ab. Die größte Menge flüchtiger Verbindungen, also leicht verdunstender Duftstoffe, fand sich im Vollblütestadium, wenn die Blüten voll entwickelt sind. Unser Ylang-Ylangöl von den Komoren stammt aus einem der wichtigsten Erzeugergebiete.

Beim Lavendel gibt es neben dem ätherischen Öl noch einen zweiten Weg über Lösungsmittel. Zunächst entsteht ein Concrete, ein Rohextrakt, der mit einem Lösungsmittel aus den Blüten gewonnen wird. Aus ihm wird anschließend das Absolue hergestellt. Ein ätherisches Öl im engeren Sinn ist ein Absolue nicht. Wie verschieden das Ergebnis ausfallen kann, zeigt eine bulgarische Probe aus dem Concrete bereits ausgeschöpfter Lavendelblütenstände: Sie wird als dunkelgrün bis braun und zähflüssig beschrieben, mit grasig-lavendelartigem Geruch und einer Honignote.

Praxistipp: beide Öle selbst vergleichen

Den Unterschied zwischen Lavendel und Ylang-Ylang erfasst du am zuverlässigsten, wenn du beide Öle nebeneinander prüfst. So gehst du vor:

  1. Gib je einen Tropfen auf einen eigenen Teststreifen und beschrifte die Streifen.
  2. Prüfe den Duft gleich nach dem Auftragen, nach 15 Minuten, nach 2 Stunden und am nächsten Tag, und notiere jeweils deinen Eindruck.
  3. Lege zusätzlich Lavendel aus Frankreich und aus Bulgarien nebeneinander, wenn du die beiden Herkünfte vergleichen möchtest.

So siehst du selbst, welcher Duft früher nachlässt und wie sich der Charakter im Lauf der Zeit verändert. Weitere Hinweise zu dieser Methode findest du unter Duftmischungen testen: Der Teststreifen-Weg.

Für den Raum gilt: Ylang-Ylang tritt süß und schwer auf. Beginne im Diffuser oder in der Duftlampe mit weniger Tropfen als beim Lavendel und steigere erst, wenn dir der Duft zu zurückhaltend erscheint. Wenn Gäste kommen, findest du Anregungen im Beitrag Duft für Gäste und Feiern: Atmosphäre gestalten. Bewahre beide Fläschchen stets außerhalb der Reichweite von Kindern auf.

Gut zu wissen: Ätherische Öle sind keine Arzneimittel und nicht zum Verzehr bestimmt. Bei Fragen zur Sicherheit wende dich an Fachleute, an deine Ärztin oder deinen Arzt oder an eine Giftinformationszentrale.